Freitag, 28. Januar 2011

Manchmal muss man auch mal ein Arschloch sein.

Und darin bin ich echt gut, das weiß ich auch. Aber der Verstand entwickelt sich ja bekanntlich weiter und inzwischen bin ich dazu übergegangen, nicht ein „ich- versuch-mal-das- es- keiner-rausfindet“-Arschloch zu sein, ich neige langsam einfach dazu, mich ganz offen mit Ellebogen durchzuboxen. Ich glaube, jeder muss manchmal einfach beide Backen zusammen kneifen um sich durchzusetzen und man muss sorgsam aussuchen, zu wem man denn gerne Arschloch sein will.

Ich habe gestern ganz offen vor allem mir selber gezeigt, wie gut ich das hier in Australien gelernt habe. Meine Chefin wollte mich nicht bezahlen. In der letzten Zeit war das Arbeiten mit ihr nicht besonders angenehm. Sie hat zwar immer wieder betont, dass ich ganz gut bin, wollte mir aber von dem ohnehin schon geringem Gehalt Geld für jeden Fehler abziehen. Das war die reinste Frechheit. Und sie wurde noch dreister, als sie mich gestern gar nicht bezahlen wollte!!!
Und da wurde ich dann echt mal richtig wütend.
(Es ist für Menschen, die mich nicht richtig gut kennen(und dazu zählen ganz besonders Chefs.), nicht so einfach, mich ERNSTHAFT aus der Ruhe zu bringen.)
Ich habe ja schwarz gearbeitet. Und deshalb habe ich ihr ganz schnell klargemacht, dass ich schneller bei der Steuerbehörde bin als sie Gebühren sagen kann. Darauf hin hatte ich 5min später mein Geld in der Hand, vollzählig ohne Abzüge für Fehler, und bin gegangen. Da waren sie, meine Ellebogen, und sie waren spitz und hart. Nicht angenehm für sie.
Aber manchmal muss man eben Arschloch sein.

Also suche ich jetzt nach einem anderen Job, ich habe mich heute bei einigem beworben und die nächsten Tage gehts weiter.
Ansonsten gibt es nicht viel neues. Ich habe hier super viel Spaß, auch wenn die Jobsucherei meistens echt nervt.
Ich habe zwei sehr coole Menschen kennen gelernt. Zum einen Adam. Er wohnt hier in Adelaide und letzten Mittwoch, am Australienday, sind wir zu der besten Pool-Party überhaupt zu ihm gegangen. Er hat ein hübsches kleines Haus mit einem Swimmingpool und es waren tolle Leute da.
Es war echt einmalig für Backpacker....und er hat mir und Luke Cricket beigebracht, was echt gar nicht so einfach war wie es aussieht. Abends haben wir dann noch ein bisschen Gitarre gespielt und gesungen und dann mussten ich und Luke auch schon los.
Alles in einem ein toller Abend...
Da habe ich auch Julia kennen gelernt. Sie ist auch als Backpackerin durch Australien gereist und kommt aus München.
Jedoch hat sie sich einen Australier gekrallt, ihn geheiratet und bleibt jetzt einfach ganz in Australien. Ich habe schon mit Luke gespaßt, ob das nicht eine Option wäre, aber daraus wird wohl nichts werden. Ich mag Deutschland ja schon, oder zu mindestens einige der Menschen dort. Für immer will ich nicht wirklich bleiben^^
                                                    (Cannon St. in Adelaide)

Achso, und ich habe mal, einfach mal nur um eure Vorstellung davon, wo wir schon waren zu verfestigen, eine kleine Karte angefertigt;) 

Ja, so viel ist es noch nicht, aber es wird ja mehr;)
Ich glaub, das werde ich jetzt bei jedem Ortswechsel mal machen...
na dann, liebe Grüße, eure Ly

Montag, 24. Januar 2011

Alter Schwede, bin ich alt.

Morgens um 10 im Knusperland.

Natürlich muss ja die Entstehung von Falten und zukünftiger Cellulitis gefeiert werden und das macht man natürlich auch am anderen Ende unserer wunderschönen und einnehmenden Erdkugel.
Und wie macht man das am Besten?
Man besorgt sich einfach ein paar tolle Leute aller Nationen aus dem Hostel, eine Gitarre, das ein oder andere Paket Goon und einen super coolen Balkon und feiert dann in den 19. Geburtstag herein. Was gibt es denn besseres als Geburtstagslieder in 8 verschiedenen Sprachen zu hören oder einen Geburtstagsrap von einem (etwas angetrunkenem) Engländer?

Ich bin seit neustem übrigens nicht nur Fachverkäuferin für Döner, nein, meine Jobfähigkeiten habe ich außerdem zur Putzkraft ausgebaut. Ich reinige seit meinem Geburtstag jeden Morgen das Hostel.
Wie viel Glück das ist kann ich selbst kaum glauben, denn in Australien ist die Jobsituation durch den Regen(in ganz Australien war dieses Jahr mehr Regen als in den letzten 3 Jahren zusammen), der einen großen Teil der Ernte zerstört oder die Erntezeiten verzögert hat, so schlecht, dass die meisten gerade keinen Job finden. Ich bekomme für meinen 2. Job freie Unterkunft plus 150$ cash auf die Hand.

Und wenn ich gerade so bei Geburtstag bin:
vielen lieben Dank nochmal für die ganzen Anrufe, Mails und Pinnwand- einträge;)

Und ich habe ja jetzt rote Haare. Ich füge da unten irgendwie dann mal noch ein Bild hinzu...
Ich hab an meinem Geburtstag beschlossen, dass es dringend Zeit für viele Veränderungen ist und die Haare waren quasi ganz klischeehaft step 1.
Und die erstrahlen jetzt auch in einem schönen Hanna-rot;)


Nun denn, ich muss auch noch sagen, dass mir mein job im Döner nicht gefällt...ist irgendwie blöd dort. Meine Chefin ist echt eine ziemlich komische Frau. Dass ständig Stress ist stört mich ja gar nicht, aber man muss ja nicht bei einem Fehler gleich ausrasten(abgesehen davon, dass sie selber jeden Tag die eine oder andere Bestellung verpatzt). Außerdem ist die Bezahlung echt mies und ich schaue mich nach einem anderen Job um.

So...ich und Luke sparen jetzt effektiv jede Woche auf alle möglichen Dinge. Vor allem für eine Auto und für die weiteren Flüge. Wir wollen beide jede Woche so 200-300$ zurücklegen, wenn möglich auch mehr.
Die ersten 700$ sind nach 1,5 Wochen schon angelegt...das ist schon ¼ Auto.

Achso: sollte ich mal eine Weile nicht schreiben, ihr könnt immer mal in Diddys Blog vorbeischauen, der ist ja meistens irgendwo in meiner Nähe. Gerade ist er zwar in Renmark, cirka 400km entfernt von Adelaide, aber wenn wir alle Geld haben werden wir zusammen weiterreisen.
Also einfach anklicken:

Nun denn, ihr lieben, lasst es krachen und lasst euch nicht weg mügeln,
liebe Grüße, eure Ly

Freitag, 7. Januar 2011

ratzepatz und rumbelzuber

Heho,
mein letzter Blogeintrag ist ja nun schon eine Weile her.
Nun denn, fange ich also von vorne an:
Weihnachten in Bundaberg: uns schon vertraute Gesichter und Gemüter, die sämtliche Zeit im Federal Backpackers mit uns verbracht haben und uns schon gute Freunde geworden sind, gingen und Heilig Abend waren nur noch klägliche 24 Personen übrig.
Vor allem hat es aber die ganze Zeit so geregnet, dass selbst der wasserdichteste Schuh nass wurde und ich diesem Grundes halber einfach keine Schuhe mehr trug. Queensland stand under water und Bundaberg war mittendrin.


Zu Weihnachten hat uns die „Brotfrau“, eine nette Dame von der Kirche(eine jener Art, die keinen Kaffee brauchen und selbst den stärksten Energiedrink blass wirken lassen), die wöchentlich kostenloses Brot für alle zur Verfügung stellt, zu einer Feier in ihrem Haus eingeladen.

Beschreibung der Brotfrau: ein Konzert, kostenloses Essen und eine entspannte Feier in einer kleinen Runde von Reihenhausbesitzern in ihrem Haus.
Wir haben also zugesagt und sie hat uns dann auch mit ihrem Bus, gefüllt mit 4 ihrer 7 Kinder, in einer starken Nuance aus Regen davongefahren.

Erwartet hat uns aber letztendlich keine Feier, sondern ein zweistündiger Gottesdienst mit einem unglaublich missionarischen Pastor, der allen die „good news“ und das vermeintlich darauffolgende „great joy“ bis in den tiefsten Winkel des Gehirnes manövrieren wollte.

Nach dieser, gerade für Luke und Diddy (ich hab noch halbwegs mitgespielt und bin anstandshalber wenigstens mit aufgestanden, wenn alle vor Begeisterung der „good news“ von ihren Sitzen gesprungen sind. Diddy und Luke sind dagegen prinzipienhalber mit verschränkten Armen sitzen geblieben.), unangenehmen Erfahrung sind wir dann in das Weihnachten glitzer- und -glimmer Viertel von Bundaberg gefahren und haben uns die mit unzähligen Lichterketten und kitschigen Weihnachtskrams verzierten Häuser angeschaut. Die vielen Lichter und einige der grellen bunten Farbkombinationen strahlten mit solcher Gewalt, dass ich um die Erhaltung meiner Sehsinneszellen bangte. Später wurde der Abend noch mit reichlich Goon ausgeklungen, selbstverständlich ohne die Anwesenheit von Gemeindemitgliedern;)


Den Folgetag sind wir mit deutschen Bier (an Sylvio: ich weiß, `s schon verrückt, aber ich habe selten etwas mehr genossen als das Radeberger, welches nach monatelanger Folter mit australischen Bier durch meine Kehle floss. Die Australier haben wirklich keine Bierkultur!! Ganz zu schweigen davon, dass man eine 0,3l Dose nicht unter 3$ bekommt und einen die 0,5l Flasche schon bis zu 6$ kostet) bepackt an den Strand gefahren. Es war seit langen die erste Sonne, die uns anlachte und wir hatten mit Gitarre und Goon wieder einiges an Freude.

Apropos Gitarre: Luke hat mir zu Weihnachten eine wunderschöne blaue Gitarre geschenkt und er hat einen coolen Profi- Kompass bekommen;)

Am 26.12. hieß es dann endlich wieder Koffer packen schwubb- die -wubbs haben wir alle Huckelpisten auf uns genommen und Bundaberg verlassen. Zuerst ging es Gepäck abladen in Harvey Bay, von dort haben wir die Fähre nach Fraser Island genommen.

Währenddessen hat es vor allem eins: geregnet.
Trotz Unwetterwarnung hatten wir nämlich beschlossen, dass wir die Tour auf jeden Fall machen wollen....also sind wir mit unserem Gepäck, schwer wie eine Sophie, die 12km bis zum Lake Mc Kenzie gelaufen. Dieses Wässerchen ist so wunderschön, dass es selbst Luke die Sprache verschlagen hat.
Angekommen am Campingplatz: Diddy`s Zelt hat genau 3 Stunden dem Regen standgehalten. Also wurde Plan B aus unseren nassen Taschen gekramt und wir haben die ultimativ coolste Survival- Champing- Plane aller Zeiten gebaut und Diddy konnte die als Überdachung nehmen.
Das hat er natürlich auch sofort gemacht, aber ein 5 Sterne schlafen war das nun trotzdem nicht.



Am nächsten Tag sind wir dann an einen anderen See gewandert, bis zur Central Stadtion, dort ist nämlich ein wuuuuunderschöner Wald und der klarste Fluss, den ich bisher in meinem Leben nun bald 19jährigen Leben gesehen habe. Abends, nach der 6 stündigen Wandertour, sind wir dann noch mal im Lake Mc Kenzie baden gewesen und konnten dabei die kleinen Köpfe von Süßwasserschildkröten beobachten, von denen es dort richtig viele gab.

Gut und schön, der angekündigte Sturm ist dann in der Nacht gekommen und unsere schon vertrauten Billigzelte konnten den Wassermassen leider nicht standhalten. Also haben wir unseren Standpunkt zu den 200m entfernten Touristentoiletten für die weniger verrückten Reisenden, kurz jene organisiert Standardreisende, gewechselt. Luke und ich konnten das größte verfügbare Apartment genießen, die Behindertentoilette.

Gen Morgen, der Erguss vom Himmel schien kein Ende zu nehmen, riefen wir das einzige Taxi(auf Fraser gibt es exakt ein Taxi) an und baten um den Tranfer zur Fähre. Nach einiger Wartezeit folgte die spannendste und waghalsigste Autofahrt , die selbst das murrigste Backpackerherz zum erstrahlen bringen würde.

Wieder auf dem Festland angekommen, haben wir einige Tage in Harvey Bay verbracht und dann ging am 31.12. auch schon unser Flieger nach Adelaide. Um 22.30Uhr haben wir dann unsere Füße aus der Maschine gesetzt und sind dann schnell in die Stadt gesprintet. Erlebt habe ich dann das erste nüchterne Silvester seit Gedenken, macht aber nichts, denn ich war eh viel zu kaputt vom Tag für Party.
Man staune nicht schlecht, aber die Sache mit der Fliegerei und Organisation habe ich jetzt doch schon ganz gut raus. Und im Schlaf rede ich anscheinend auch schon Englisch.

Nun, gleich hier angekommen warf ich dann auch schon wieder beim Lebenslauf verteilen und habe doch dann gleich den Job bekommen, den ich schon immer mal machen wollte: ich arbeite jetzt in einer Dönerbude;)
Vielleicht, wenn ich alle Finger zusammen zähle, habe ich ja Aufstiegschancen, wenn ich wieder zu Hause bin*lach*.

Naja, ich bin gerade dabei, mir noch einen 2. Job zu besorgen, weil ich ja schon schnell viel Geld ansparen möchte. Weil wer gut reisen will muss Geld haben und ich will ja noch mal in Asien und Neuseeland und Kanada jeweils für ein paar Wochen vorbei schauen, bevor ich meine Füße wieder auf heimischen Boden setze.
Sodann, lasset die Welt kleiner werden,
eure kunterdunkelbunte -lieblings- ly